
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen beim Abendessen und greifen gedankenverloren zum Smartphone – obwohl es gar nicht geklingelt hat. Dieses Phantom-Vibrieren kennen viele. Es ist kein Zufall, sondern ein Zeichen: Unser Nervensystem hat sich so sehr an digitale Dauerstimulation gewöhnt, dass es sie bereits antizipiert.
Jede Benachrichtigung, jeder Like, jede neue Nachricht aktiviert das dopaminerge Belohnungssystem – dasselbe System, das auch bei Suchtverhalten eine zentrale Rolle spielt. Unser Gehirn lernt schnell: Smartphone = mögliche Belohnung. Die Folge ist ein permanenter Aktivierungszustand des Nervensystems, der sich schleichend in Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, innerer Unruhe und emotionaler Erschöpfung niederschlägt.
In meiner Praxis erlebe ich zunehmend Patientinnen und Patienten, bei denen die VNS-Analyse (Messung des vegetativen Nervensystems) eine deutlich reduzierte Regulationsfähigkeit zeigt – häufig korreliert mit exzessiver Bildschirmzeit und dem Gefühl, nie wirklich abschalten zu können.
Eine digitale Auszeit bedeutet nicht, das Smartphone für immer wegzusperren. Es geht um bewusste Unterbrechungen – und die wollen gelernt sein. Einige Ansätze, die ich meinen Patientinnen und Patienten empfehle:
Für manche Menschen ist der Gedanke an eine digitale Auszeit mit echter Anspannung verbunden – die Angst, etwas zu verpassen (FOMO), das Gefühl, nicht erreichbar sein zu dürfen, oder schlicht die Unfähigkeit zur Stille. Das sind keine Schwächen, sondern Hinweise auf tieferliegende Stressmuster, die sich therapeutisch sehr gut bearbeiten lassen.
Wenn Sie merken, dass Sie Ihr Smartphone nicht weglegen können – auch wenn Sie es möchten –, ist das ein wertvolles Signal. Sprechen Sie mich gerne an. Manchmal ist der erste Schritt zur digitalen Entschleunigung ein offenes Gespräch.
Herzliche Grüße aus der Praxis
Dr. med. Regina Nenninger
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